Aktuelle Steuermeldungen für die Niederlande

(Unsere Meldungen für den die Niederlande.)

  • Abschaffung der Kapitalertrag-/Quellensteuer ab 2020
  • Änderung der Einkommen- , Körperschaft- und Umsatzsteuersätze ab 2019
  • Einführung einer Zinsschranke zum 01.01.2019
  • Steuerrechtliche Änderungen 2018 in den Niederlanden: Ausschüttungen von Coops
  • Folgen des Multilateralen Instruments (MLI) auf das DBA-Niederlande
  • Expat Tax in den Niederlanden - 30 %-Regelung
  • Neues DBA Deutschland-Niederlande ab 01.01.2016
  • Neue Ruling-Richtlinien in den Niederlanden

Abschaffung der Kapitalertrag-/Quellensteuer ab 2020

Ab dem Jahr 2020 wird die bislang mit 15% erhobene Kapitalertragsteuer abgeschafft. Dies gilt auch für die bislang bei Ausschüttungen an Personen mit Wohnsitz im Ausland einbehaltene Quellensteuer. Bei Dividenden die an Anteilseigner in niedrig besteuernde Länder (Anguilla, Bahamas, Bahrain, Bermuda, Britische Jungferninseln, Cayman-Inseln, Guernsey, Isle of Man, Jersey, Kuwait, Palau, Katar, Saudi-Arabien, die Turks- und Caicos-Inseln, Vereinigte Arabische Emirate, Vanuatu) ausgeschüttet werden wird jedoch weiterhin eine Quellensteuer erhoben.

Änderungen der Einkommensteuersätze ab 2019

Das Einkommensteuersystem in den Niederlanden teilt die verschiedenen Einkunftsarten in 3 "Boxen" auf:

  • Box 1: Einkünfte aus Arbeit, Unternehmen, Renten und Lohnersatzleistungen, Wohnen
  • Box 2: Einkünfte aus wesentlichen Beteiligungen an Kapitalgesellschaften (min. 5%) wie Dividenden und Veräußerungserlöse
  • Box 3: Einkünfte aus Vermögen (Zinsen, Dividenden, in- u. ausl. Zweitwohnungen)

Bislang galten für Einkünfte aus Box 1 bis zu 4 verschiedene Tarife mit Steuersätzen von 36,55%-51,95% (bei Rentnern 18,65%-51,95%). Ab 2019 ändern sich die Steuersätze in Box 1 wie folgt:

  • Einkünfte bis 69.000 Euro ca. 37%
  • Einkünfte über 69.000 Euro 49,5%

Aufgrund der Herabsetzung der Körperschaftsteuer ändert sich der Steuertarif im Jahr 2020 für Einkünfte aus Box 2 von 25% auf 27,3% und auf 28,5% im Jahr 2021.

Der Körperschaftsteuersatz ändert sich im Gegenzug zum 01.01.2019 von bisher 20%-25% wie folgt:

  • bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 200.000 Euro: 19% (2020: 17,5%, 2021: 16%)
  • bei einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 200.000 Euro: 24% (2020: 22,5%, 2021: 21%)

Eine Gewerbesteuer - wie in Deutschland - existiert in den Niederlanden nicht. Die Steuerbelastung einer niederländischen Kapitalgesellschaft ist daher insgesamt niedriger.

Der ermäßigte Umsatzsteuersatz (auf Lebensmittel, Bücher, Arzneimittel, Hotelübernachtungen etc.) wird im Jahr 2019 von derzeit 6% auf 9% erhöht.

Einführung einer Zinsschranke zum 01.01.2019

Ab dem Jahr 2019 wird der Abzug von Zinsen versagt, soweit die Summe 30% des Bruttobetriebsergebnisses (EBITDA) übersteigt. Die Regelung greift jedoch erst bei Zinsbeträgen welche in Summe 1 Millionen Euro übersteigen.

Steuerrechtliche Änderungen 2018 in den Niederlanden: Ausschüttungen von Coops

Mit dem Steuerpaket 2018 wird unter anderem die Quellenbesteuerung von Ausschüttungen niederländischer Genossenschaften (Coop) an die der BV und NV angeglichen. Die Bedeutung der Coops hat durch ihre Verwendung in Konzernstrukturen oder als Holding zugenommen. Bisher konnten Gewinne unternehmerisch tätiger Coops in der Regel quellensteuerfrei ausgeschüttet werden.

Ab 2018 werden diese Beteiligungen steuerlich wie Anteile von Körperschaften behandelt, wenn so genannte qualifizierende Mitgliedschaftsrechte (Beteiligung mindestens 5%) vorliegen, die mit Kapitalgesellschaftsbeteiligungen vergleichbar sind oder es sich um eine Holding Coop handelt.

Die Folge ist grundsätzlich ein Quellensteuereinbehalt von 15%.

Bestehende Coop-Strukturen sollten daher erneut auf ihre steuerlichen Auswirkungen hin untersucht werden.

Folgen des Multilateralen Instruments (MLI) auf das DBA-Niederlande

Am 07.06.2017 haben in Paris gemeinsam Vertreter von über 60 Staaten (darunter alle EU- und EWR-Mitgliedsstaaten außer Estland) einen völkerrechtlichen Vertrag unterzeichnet, mit dem zentrale Empfehlungen des G20/OECD-Projekts gegen „Base Erosion and Profit Shifting (BEPS-Projekt)“ in bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen umgesetzt werden.

Bei dem MLI handelt es sich um ein multilaterales Abkommen zur Angleichung von Doppelbesteuerungsabkommen an die so genannten BEPS-Mindeststandards (zur Verhinderung internationaler Gewinnverlagerungen). Ziel ist die flächendeckende Anpassung aller Doppelbesteuerungsabkommen der MLI-Vertragspartner ohne langwierige Nachverhandlungen einzelner DBA.

Das MLI besteht aus 39 Artikeln und setzt insbesondere die BEPS-Aktionspunkte 2 (hybride Gestaltungen), 6 (Verhinderung von Abkommensmissbrauch), 7 (Verhinderung der künstlichen Umgehung des Status als Betriebstätte) sowie 14 (Streitbeilegungsmechanismen) um.

In der Praxis werden nun neben den einzelnen DBA und den bestehendem Protokollen auch die einzelnen Module des MLI geprüft werden müssen.

Folgende Bestimmungen des DBA-Niederlande sind vom MLI betroffen:

  • Art. 5 Abs. 7 DBA-Niederlande
  • Art. 10 Abs. 2 Buchst. A DBA-Niederlande
  • Art. 13 Abs. 2 DBA-Niederlande
  • Art. 22 Abs. 2 Buchst. B DBA-Niederlande

Folgende Bestimmungen des MLI sind direkt anzuwenden und ändern keine bestehende Vorschrift des DBA-Niederlande:

  • Art. 7 Abs. 1 MLI
  • Art. 10 Abs. 1 bis 3 MLI

Expat Tax in den Niederlanden - 30 %-Regelung

Um die Attraktivität der Entsendung von qualifizierten Fachkräften in die Niederlanden zu steigern, wurde die sogenannte 30 %-Regelung eingeführt, wonach 30 % des Gehaltes als steuerfreie Vergütung ausgezahlt werden können.

Diese Regelung gilt für Sie, wenn Sie außerhalb der Niederlande rekrutiert oder von einem anderen Land als den Niederlanden aus entsendet worden sind, um in den Niederlanden zu arbeiten. Um die 30%-Regelung in Anspruch nehmen zu können, gelten folgende Anforderungen:

  • Sie haben ein Beschäftigungsverhältnis. Sie verfügen über ein spezifisches Fachwissen, das auf dem niederländischen Arbeitsmarkt nicht oder nur kaum vorhanden ist (steuerpflichtiges Mindesteinkommen in 2017 von 37.000 Euro vor Anwendung der Regelung)
  • Sie verfügen über einen gültigen Bescheid
  • Sie wohnten in den 24 Monaten vor Ihrem ersten Arbeitstag in den Niederlanden mehr als 150 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt (Luftlinie)
  • Ausnahmen gelten soweit Sie jünger als 30 Jahre alt sind und einen Mastertitel haben, einen Doktortitel besitzen oder wissenschaftliche Forschung betreiben

Neues DBA Deutschland-Niederlande ab 2016

Sie wohnen in Deutschland oder den Niederlanden und beziehen ein Einkommen aus dem jeweiligen anderen Land? Dann haben Sie es steuerlich mit zwei Ländern zu tun, die Ihr Einkommen besteuern wollen

Um dies zu verhindern, haben Deutschland und die Niederlande gegenseitige Vereinbarungen getroffen. Diese Vereinbarungen sind in sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) festgelegt.

Am 01.01.2016 ist das aktuell gültige DBA mit den Niederlanden in Kraft getreten. Diese Vereinbarung hat damit das bisherige, noch aus dem Jahr 1959 stammende DBA ersetzt. Sowohl vom systematischen Aufbau als auch von inhaltlichen Änderungen, ist eine Annäherung an das OECD-Musterabkommen erreicht worden.

Das Doppelbesteuerungsabkommen ist für beide Länder verbindlich und geht nationaler Gesetzgebung vor. Das Abkommen vermeidet also die Doppelbesteuerung, aber auch die Doppelbefreiung. Sie versteuern ihr Einkommen entweder in Deutschland oder in den Niederlanden. Enthält das DBA keine eindeutige Regelung ist Verständigungsverfahren durchzuführen um das Besteuerungsrecht abschließend zu klären.

Ungeachtet der Steuerfreistellung durch das DBA unterliegen ausländische Einkünfte in der Regel in Deutschland dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Sie werden also im Rahmen der Bemessung des Steuersatzes für die übrigen, in Deutschland steuerpflichtigen Einkünfte berücksichtigt.

Beispiele für im DBA getroffene Besteuerungsrechte:

Arbeiten für einen in den Niederlanden ansässigen Arbeitgeber

Soweit Sie Ihre Arbeit ausschließlich in den Niederlanden ausüben, versteuern Sie Ihren Lohn in den Niederlanden.

Arbeiten für einen Arbeitgeber außerhalb der Niederlande

Soweit Sie Ihre Arbeit ausschließlich in den Niederlanden ausüben, versteuern Sie Ihren Lohn in den Niederlanden. Das ist die Grundregel. Ausnahme: Deutschland hat das Besteuerungsrecht, wenn Sie sich innerhalb von 12 Monaten nicht länger als an 183 Tage in den Niederlanden aufhalten, es sei denn, dass es liegt eine Entleihung oder Entsendung in die Niederlande vor. Oder wenn Sie für eine Betriebstätte oder ständigen Einrichtung ihres Arbeitgebers in den Niederlanden arbeiten.

Arbeiten im öffentlichen Dienst

Soweit Sie Einkommen im öffentlichen Dienst erzielen, sind diese in dem Land zu versteuern für das Sie tätig sind.  

Arbeiten auf einem internationalen Betriebsgelände 

Sie wohnen in Deutschland und Sie arbeiten bei einem Unternehmen, dass auf einem Betriebsgelände auf der Grenze von den Niederlanden und Deutschland (zum Beispiel Avantis in Heerlen) ansässig ist? Dann zahlen Sie Lohnsteuer in dem Land, in dem Sie aufgrund der EU-Regeln sozialversichert sind.

Eine Rente, Leibrente oder Sozialversicherungsleistung aus den Niederlanden beziehen

Beziehen Sie eine Rente, Leibrente oder Sozialversicherungsleistung aus den Niederlanden, dann müssen Sie diese in Deutschland versteuern.

Von einer Rente oder Leibrente aus den Niederlanden ist auch dann die Rede, wenn Sie Ihre Rente oder Leibrente in den Niederlanden aufgebaut und danach einem deutschen Versicherer übertragen haben. Sie brauchen Ihre Rente oder Leibrente also nicht buchstäblich aus den Niederlanden zu beziehen, um eine Rente oder Leibrente aus den Niederlanden zu haben.

Zur steuerlichen Behandlung von Alterseinkünften (Ruhegehälter und ähnliche Vergütungen sowie Renten) wurde am 24.01.2017 ein ausführliches BMF-Schreiben herausgegeben.

Ausnahmen

Von der Regel, dass Sie in Deutschland Steuer zahlen, bestehen einige Ausnahmen:

  • Sie beziehen eine staatliche Rente aus den Niederlanden
  • Sie beziehen mehr als 15.000 € aus Renten, Leibrenten und Leistungen aus den Niederlanden
  • Sie bekommen eine Abfindung für eine Rente oder Leibrente aus den Niederlanden

Neue Ruling-Richtlinien in den Niederlanden

Für Vereinbarungen zwischen den niederländischen Finanzbehörden und Steuerpflichtigen hinsichtlich der steuerlichen Behandlung bevorstehender Transaktionen (verbindliche Auskunft) bestehen so genannte Ruling-Richtlinien.

Am 12.06.2014 wurden im Staatsanzeiger neue Richtlinien für Holding- und Finanzgesellschaften in den Niederlanden veröffentlicht. Für deren Anwendung ist im Vergleich zur früheren Rechtslage noch mehr eine tatsächliche Anwesenheit in den Niederlanden erforderlich. 

Sie planen ein Engagement in den Niederlanden?

Wir stellen Ihnen einen detaillierten Führer zur Verfügung, dessen Zweck es ist, Sie über das Investitionsumfeld in den Niederlanden zu informieren. Er bietet praktische Informationen über Land und Wirtschaft, Unternehmensgründung, Förderprogramme, das Steuersystem, Arbeitsgesetze und vieles mehr.

Auszug aus der Broschüre: Unternehmen in den Niederlanden 2019

Fordern Sie gerne die ausführliche Broschüre bei uns an.

 

Weiterführende Themen: Doppelbesteuerungsabkommen, Internationales Steuerrecht, Steuer Belgien, Steuer Frankreich, Steuer Niederlande, Umsatzsteuererklärung